i-camp Propaganda – Oder der geheimnisvolle Fremde von Rohtheater


 

 

Was ist die Welt?

Das Wort „Welt“ entstammt dem Altgermanisch und stand für „Mann, Mensch, Menschenalter, Menschenzeit“. Es ist der gemeinsame Traum bzw. die verbreiteten Vorstellungen denen sich eine Vielzahl von Menschen anschließen und sie als Lebensleitfaden umsetzen. Nannte I. Kant die Welt „ein nach Zwecken zusammenhängendes Ganzes“. So sah L. Wittgenstein darin bereits „alles, was der Fall ist“. Folgte die alte Welt analog noch Geschichten, Bildern und der Natur, so folgt die neue Welt den Algorithmen des Digitalen in denen auch die Natur verzeichnet ist.

der mensch als sensor im virtuellen raum – die auslöser der impulse an den maschinen – die auflösung der seele in die ebene der universellen emotionalschwingung, die weltseele – das ende von polarisierter welthaltung und persönlichkeit des gespaltenen individuums – das aufgehen im wissen um den kleinsten derzeit erfassbaren  punkt, dem quant – die mikroskopische betrachtung der erscheinungsform leben – konsequenz nullwert

„Die Welt ist ein Traum, ein leerer Traum im All.“

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© Claus Langheinrich


Und Theater ist das gemeinschaftliche Erlebnis von Weltbildern – Schauspiel. Eine Schau der sich mehr und mehr ausbreitenden Form der digitalen Welt boten Bülent Kullukcu, Anton Kaun und Dominik Obalski. Sie gingen mit Bildern und Texten der Frage nach: Was war die Welt? Das Werk von Mark Twain „Der geheimnisvolle Fremde“ bildete die Grundlage für die, in der Vergangenheit beginnende, kunstfertige Reise. Die Geschichte eines Jungen, der in die von Gottesmännern gelenkte Welt hinein wächst und erste Eindrücke gewinnt. Erziehung und Arbeit wurde als Gott gefällig vorgesetzt und stellte damit Oberstes Gesetz dar. Daraus folgten die Anschauungen von Weltwunder und Weltschmerz, die aus der unmittelbaren Erfahrung resultierten und die Welt polarisierten. Laute Propaganda hält diesen Traum, der längst zum Alptraum mutierte, aufrecht. Die ungewöhnliche künstlerische Form der Film- und Bildprojektionen gemischt mit plastischen Weltmodellen veranschaulichte, ausgehend von den Beweggründen, wie Geld- und Wissensdurst, dem Spieltrieb, bis zum Laborprojekt einer Neugestaltung, die laufenden Prozesse im Jetzt. Sichtbar bildeten die Steuerungselemente – Computer, Verstärker und Lautsprecher – aktive Kulissen zwischen denen sich die drei Akteure bewegten. Ihre Beherrschung der Materie wirkte wie gespielte Profession und für die aufgeschlossen Zuschauer taten sie so ungewohnte Wahrnehmungsfelder auf. Am Ende der alten Welt verabschiedete sich Mark Twains Philipp Traum, auch Satan genannt, und hob bewusst die Spaltung in Gut und Böse auf. So befriedete er die Seelen - eine Weisheit jenseits derer Gottes, der Götter und der Bigotten. Der Anfang einer neuen Welt. Das aufklärende posthumane Schauspiel führte mit den letzten Bildern an eben diesen Beginn und mögen nun achtsame Künstler und Menschen in freie Träume weitergehen ...

 

C.M.Meier

 

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Propaganda – Oder der geheimnisvolle Fremde

Theaterinstallation von Bülent Kullukcu, Anton Kaun und Dominik Obalski - Rohtheater

Bülent Kullukcu, Anton Kaun und Dominik Obalski und Videosamples von Marie Bendl, Christian Burchhard (Embryo), Robert Hofmann, Martin Krejci und Asmir Sabic.

Konzept und Idee: Bülent Kullukcu
Nach Texten von Edward Bernay, Mark Twain, Sigmund Freud u.a.