i-camp der unverrückbare Himmel von Karl ein Karl


 

 

Ein Kosmos der Töne

Der schwarze Bühnenraum, die große weiße Leinwand, ein Mikrophon, ein Kontrabass, ein Violoncello, eine E-Gitarre mit Lautsprechern und gegenüber der Projektor, der den Film auf die Leinwand brachte. Der Theaterraum empfing so das Publikum um es auf eine Expedition ins Reich der Poesie mitzunehmen. Dazu wurden von zwölf  Menschen meisterhaft Musik, Sprache und Bilder in berührende Wechselwirkung zueinander gebracht.

Die Expedition der „Endurance“ unter Sir Ernest Shackleton hatte 1914 die Überquerung der Antarktis zum Ziel. Eine der letzten wahren Herausforderungen, so formulierte es der Forscher. Unter seinen siebenundzwanzig Männern war Frank Hurley, der in einem Tagebuch, sowie mit Filmkamera und Fotoapparat das Abenteuer festhielt. Schwarze Männer auf weißen Eis. Auf Basis dieser Unterlagen schuf Manuel Heyer einen künstlerisch überaus kreativen Film, der die Betrachter mit auf diese Reise nahm, die Antarktis und das Leben auf dem ewigen Eis näher brachte und darüber hinaus besondere Aufnahmen drastisch in die Wahrnehmung rückte.

Jede unmittelbare Erfahrung der Natur beinhaltet eine Herausforderung, so auch die Erkundung mecklenburgischer Seen für Marie von Bunsen. Sie reiste alleine in einem Ruderboot im selben Zeitraum wie die Expedition und schrieb einen ebenso atmosphärischen Reisebericht. Ruth Geiersberger performte einige Passagen daraus, malte Wortbilder. Was auf der Bühne als naturgegebener Kontrast erschien, spiegelte doch die menschlichen Gefühle und Erfahrungen. Wenngleich die äußeren und inneren Dimensionen sich unterschieden, so wie die Menschen sich unterscheiden.

Verbunden waren die Elemente der Aufführung durch die einzigartige Musik. Karl ein Karl – schon der Name drückt die Einigkeit der Musiker aus. Ihre Kompositionen erfassten sowohl Innen- wie Außenwelt in den Abenteuern. Feiner Strich, der eine Ebene unendlich differenzierte. Wie die Überlebenskünstler entlockten sie ihren Instrumenten die unterschiedlichen ungewohnten Klänge. Fantastischer Einfallsreichtum in klassisch anmutendem Feld – der Bogen und die elektronische Gitarre, die unterschiedlichen Möglichkeiten und Utensilien den Saiten des Kontrabasses immer wieder neu akzentuierte Töne zu entlocken, das gezupft gestrichen gehackte Violoncello, und alle wie die Angst der Menschen, das Knistern des Packeises oder das Tosen der See.
Dem steht die Pflege der immer gleichen Harmonien mit den immer gleichen Bogenstrichen gegenüber. „Tja, die gute alte Zeit ...“ Tradition um der Tradition willen führt sich in manchen Phasen selbst ad absurdum. Nur manch einer sieht nicht, hört nicht, was gespielt wird. Sein Himmel ist voll mit alten Illusionen und Vorstellungen, Erfahrungen und Erinnerungen und damit eigentlich schon längst eine Hölle.

 

KeKHimmel Manuel Hey

 


© Manuel Hey


„Der unverrückbare Himmel“ ist im Mensch selbst, in jedem einzelnen. Er lebt auch im Eis, in den scheinbar  widrigsten Umständen, die doch Leben ausdrücken. Wenn der Mensch auf sich zurückgeworfen ist, erfährt er am meisten über sich. „... Schiffe sich auflösen wie Schnee im Wasser ...“  Während die einen sich gegenseitig die Köpfe vom Leib schossen, verbanden sich die anderen zu einer ursprünglichen Gemeinschaft um in der Natur zu überleben. Beides geschah in einer Zeit,  einer Periode, die, in ihren essentiellen Vorgaben – in der Substanz Geist – sich in diesen Tagen wiederholt. Und ein Blick auf das Tagesgeschehen zeigt, wie wenig man daraus gelernt hat. Die einen gehen in aufmerksamem Bewusstsein auf die Natur zurück, die anderen schlagen im „Rechthaben“ die Köpfe anderer ein, treten deren freie Würde mit blutverschmierten Stiefeln oder mit geschwärztem Papier. Die Wiederholung einer Wiederholung läuft, gleich gebeteten Glaubenssätzen in ihrer Scheinheiligkeit, dem Wort dienend, keinesfalls dem Sinn. Wie die Dogmen mit denen Menschen unterdrückt werden, um eines vereinten Willens willen. Eines Willens, dem das freie Leben unterworfen wird, folglich versklavt. In Wirklichkeit ist es der geeinte Geist, der scheinbar Unmögliches möglich macht, die Gemeinschaft erhält und entwickelt. Der Tenor des Geistes, der auf das erste Wort wartet, verbreitet vor allem eines, Frieden.

Die Musik von „Karl ein Karl“ brachte diese wortlose Stimme des Geistes zum Klingen. Lauschen Sie diesem einzigartigen Konzert. Schauen Sie ein ästhetisch erweitertes Abenteuer. Erfreuen Sie sich an der, in Wortbilder gefassten, Natur. Erfahren Sie mehr in sich ... in einer Vielzahl wundervoller zeitloser Momente. Klassisch, wie ein Abend der immer wieder erlebt werden kann und immer wieder neue Bereicherung ausbreitet.

 

C.M.Meier


 


der unverrückbare Himmel

Ein Poem für Live-Musik, Video und Sprache
von Karl ein Karl

Peter K Frey – Kontrabass, Michel Seigner – elektronische Gitarre, Alfred Zimmerlin – Violoncello

 

Manuel Heyer – Video/Licht
Ruth Geiersberger – Performance
Martin Pfisterer – Sprecher
Peter Schweiger – Dramaturgie/Regie