Halle 7 Die andere Seite von Dejan Dukowski


 

 

Und bist du nicht willig ...

sprach’s und zückte vorsichtshalber die Pistole noch bevor der Satz zu Ende gesprochen war. Es ist dies die Haltung der im permanenten Kriegszustand Lebenden. Harter Rhythmus bestimmt ihre Tage. Sie treffen sich in einer Bar, bestellen „Wodka ... doppelt“ und ihre Beziehungen sind das Schlachtfeld. „Allgemein ist das Leben eine vorübergehende Erscheinung.“ Diese Satz gilt auch für die Beziehungen, denn die Begegnungen sind kurz. „Ich lande sofort bei der Zigarette danach.“ Auf der Suche nach Liebe bleibt am Ende nur der Sex, auf der Suche nach einem kleinen Glück bleibt am Ende nur die Lüge, die über die Realität trägt. Es sind Lucky, ein Marionettenspieler ohne Theater, Lilly, eine Nutte mit drei Kindern, Little, ein junges Mädchen das von den Alten zu lernen sucht und Tricky, der Zauberer ohne Illusionen. Sie verkörpern einen Reigen von Zusammentreffen. Träumer und Verliebte, Mann gegenüber Mann, Junge gegen Mädchen, Mann gegenüber Mädchen und Nutte gegen Junge sind einige davon. An ihren Händen klebte Blut.
 
 

 
 

Adam Markiewicz, Elisa Ruz Campos, Markus Böker, Sabine Barth

© Hilda Lobinger

 

 

Dejan Dukowskis Text ist dicht, schwergewichtig und die Sätze treffend. Regisseur Claus Peter Seifert inszenierte ihn spannungsgeladen. Wie Schüsse kamen die Worte aus den Mündern der Darsteller. Auf der kargen Bühne von Wladimir Schengelaja, eine Toilettenschüssel, eine Kiste, die als Tresen und als Bank dient, war ausreichend Raum für die Schauspieler. Und sie füllten diesen Raum mit gewaltiger körperlicher Präsenz, jeder für sich und alle gemeinsam. Markus Böker gab einen coolen Lucky, ruhig überlegend ließ er trotzdem hinter die Fassade blicken. Sehnsucht schimmerte erkennbar und sie trieb ihn, die Pistole in die Hand zu nehmen, auf den Gegenüber zu richten. „Was willst du?“ – „Den Tod spüren.“ Tricky, Adam Markiewicz, war ein junger abgebrüht wirkender Heißsporn, der es verstand, mit kleinen Gesten den Zauberer an den Kartentricks auferstehen zu lassen, mit einer großen Geste Illusion schuf. Aggression strahlte er aus, so viel, dass diese einige Male die Spannung in Lachen, in Weinen kippen ließ. Sabine Barth, brachte eine erfahrene Lilly auf die Bühne, der nichts Menschliches fremd schien und die sich arrangiert hatte mit der verlorenen Liebe, den Kindern in fremder Obhut und den Gelüsten der Männer. Sie zog die Pistole überzeugend. Das junge Mädchen Little wurde von Elisa Ruz Campos dargestellt. Bezaubernd, neugierig und bereit von den „Alten“ zu lernen, sprang sie zwischen romantisch und realistisch. Auch an ihren Händen klebte Blut.

Die Szenenwechsel wurde durch harten Sound begleitet, Musik Manfred Schmid. Dieser trug wesentlich zu Stimmung und Konzept bei, ebenso wie die ausgeklügelte Lichtführung von Michael Wüst.

Die Spannung wurde gegen Ende nicht gebrochen, sondern durch den scheinbar vereinenden Rauch der Träumer aufgelöst. Hier kippte die Inszenierung ins Belanglose und endete mit der simplen Botschaft, dass dies von der Maske befreit. Die Aufgabe lag beim Künstler Lucky. Auflösung ist keine Lösung, sondern Resignation. Das Ergebnis: Der Text verwischt. Das Stück: sehenswert.

 
C.M.Meier

 

 
 

Die andere Seite

von Dejan Dukowski

Sabine Barth, Markus Böker, Elisa Ruz Campos, Adam Markiewicz

Regie: Claus Peter Seifert
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