Metropol Theater Lantana von Andrew Bovell


 

 

Quo Vadis

Zufällig befinden sich die beiden Paare Pete und Jane, sowie Leon und Sonja zur gleichen Zeit auf Abwegen in billigen Hotels, teilen sich den Dialog eines Seitensprungs. Zufällig steht Jane am Fenster, als ihr Nachbar Nick einen schwarzen Damenschuh aus dem Auto nimmt und diesen auf ein verwildertes Grundstück wirft. Zufällig stößt Leon mit Neil, einem Mann der braune Budapester trägt, beim Joggen heftig zusammen, so dass Neil's Nase bricht.

Wer anders als der Zufall, kann die Brücke bilden zwischen Figuren die nichts verbindet, die kaum noch ihren Nächsten oder sich selbst verbunden sind. Sie sind gesellschaftlich etabliert, alles scheint wohlgeordnet und doch suchen sie Sinn in neuen Begegnungen. Der Autor Andrew Bowell erzählt, nach eigener Aussage, in seinem Stück von Liebe, von menschlichen Gefühlen wie Vertrautheit und Verwundbarkeit und einer alle verbindenden Sehnsucht ... die er allerdings nicht "explizit darstellt" (Tenor des Autors). Er spricht von Emotionen ... doch diese, längst nicht mehr wahrnehmbar, schreiben keine Geschichte, sondern sind nur noch psychologisch artikulierte Feststellungen, Momentaufnahmen, so wie das Stück sie zeigt. Denn dieses bedient die Creativ-Writing-Vorstellungen von zeitgemäßem dramatischem Aufbau, mit seiner konstruierten Bruchstückhaftigkeit und der puzzleartigen Anordnung der Szenen. David Lynch lässt grüßen. Der Damenschuh und der Budapester fungieren als Verbindung. Sie sind Sinnbild für das orientierungslose Unterwegssein der Figuren in der heutigen Gesellschaft, gleichermaßen wie sie für die psychologisch begründete unausweichliche Zusteuerung auf das persönliche Trauma stehen.
 
   
 

Judith Toth, Thomas Meinhardt, Dascha Poisel, Christian Baumann

© Hilda Lobinger

 

 

Die Inszenierung rankte sich um die Metapher Schuh. Eine Reihe von Schuhen bildete die Begrenzung der Spielfläche. Dascha Poisel als die in der Kindheit vom Vater missbrauchte Psychotherapeutin Valerie, lief wiederholt wie verloren mit einem schwarzen Schuh durch die Szene, um in einer Verrenkung auf dem Boden letzte Ruhe zu finden. Christian Baumann (Neil) trug die braunen Budapester als er seiner großen Liebe Sarah nach Jahrzehnten wieder begegnete und er hinterließ diese am Rand des Meeres für Leon. Leon (Thomas Meinhardt) nahm die Schuhe mit in sein leeres zuhause. Regisseur Jochen Schölch inszenierte, in gekonnter Weise, eine klare und stringente Aufführung, die jedoch auch Längen aufwies, da viele der Begebenheiten nur allzu bekannt sind und der psychologische Text den normalerweise innewohnenden emotional-erotischen Reiz durch seine wissenschaftliche Kommentierung kippte.

"Lantana" kündigte sich als undurchdringliches "emotionales Labyrinth" an und entließ ohne wirklich mit guter Unterhaltung oder neuen Erkenntnissen aufgewartet zu haben.

 
C.M.Meier

 

 


Lantana

von Andrew Bovell

Christian Baumann, Thomas Meinhardt, Dascha Poisel, Judith Toth

Regie: Jochen Schölch
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