Metropol Theater Das Maß der Dinge von Neil LaBute


 

 
Kunst oder nicht Kunst

Aus Ton formte Gott den Menschen und hauchte ihm seinen Odem ein. Das ist der Inbegriff des Schöpfungsakts, dessen Bildhaftigkeit bis zum heutigen Tag nichts von seiner Kraft eingebüßt hat. Es ist auch der Akt, den auf die eine oder andere Weise nachzuvollziehen es jeden Künstler treibt.

Oder ist das heute bereits auch nur noch Klischee und der Mensch lediglich eine misslungene Kreation? Der Geist ist willig und das Fleisch ist schwach, und wenn man den Hebel nur an der richtigen Stelle ansetzt, ist Gottes Kunstwerk locker zu manipulieren. Das wusste bereits Eva im Paradies für sich zu nutzen. Doch zu welchem Ende? Die Welt zu verändern? Betrachtet man die biblische Geschichte, so ist ihr dies auch wirklich durchschlagend gelungen.

Der amerikanische Erfolgsautor Neil LaBute, Jahrgang 1963, verflicht in seinem tragisch-komischen Stück geschickt die Ebene der modernen Frau-Mann-Beziehung mit der des Kunstmarktes. Evelyn, eine Kunststudentin an einem amerikanischen Kleinstadt-College, zieht mit der Spraydose bewaffnet gegen die Scheinmoral, das Feigenblatt am Kunstwerk, zu Felde. Für die Wahrheit in der Kunst ist sie zu allem bereit. Im Museum begegnet sie Adam, seines Zeichens schüchterner Anglistikstudent, der als Aufseher sein Brot verdient. Adam ist an ihrer Telefonnummer interessiert. Die Geschichte nimmt ihren Lauf und Adam erfährt durch Evelyn eine sehr weitgehende Verwandlung.
 
   
 

Philipp Moschitz, Judith Toth

© Hilda Lobinger

 

Er lässt diese mit sich geschehen, trägt sie sogar weitgehend, glaubt er doch an Evelyns Liebe bis hin zur Selbstverleugnung. Das Bild des modernen erfolgreichen männlichen Typs wird hier als Ideal vorgeführt, soll Wahrheit darstellen, die sie aber, wie hier im Falle Adams, doch nicht ist. Denn dieses, auch in den Medien bereits allzu breit getretene allgemeine Musterbild nachzuformen, hat weniger mit einem die Welt verändernden Schöpfungsakt zu tun, sondern mehr mit Manipulation nach Vorlage. Taugt eine Eva überhaupt zur Schöpferin? Im Stück wendet Adam sich ab.


Neil LaButes Wortwitz und die Situationskomik des Textes kamen in der Inszenierung nur selten wirklich zum Tragen, zieht doch der Autor viele allzu bekante Register aus der Beziehungskiste, um sie dem Belächeln frei zu geben. Auch mangelt es im Text nicht an Seitenhieben auf den modernen Kunstbetrieb. In der Darstellung mutete dies dagegen emotional geladen, ja bisweilen ernsthaft und pathetisch an und von Ironie und Satire war im Spiel weniger wahrzunehmen. Regisseurin Cordula Jung setzte mehr auf gerade comedyhafte Gestaltung und bisweilen verschwamm die Grenze zwischen Schauspiel und Realität. Philipp Moschitz gab einen erst zurückhaltend verklemmten, dann einen gestylten Adam, dem man den Erfolgstyp locker abnahm. Evelyn, Judith Toth, ließ den Faden nie aus der Hand und selbstbewusst trieb sie das Spiel voran auf ihr Ziel zu. Konsequenz bis zum Fanatismus könnte auf ihren Fahnen gestanden haben. Ging es doch um "das Maß der Dinge", das für sie die Kunst darstellt. Judith Toth hatte dies verinnerlicht. Die Freunde Adams, Jenny und Philip, wurden gespielt von Henriette Schmidt und Pablo Sprungala. Jenny, mädchenhaft und bisweilen unsicher, hatte vergeblich versucht, aus Adam die Frage nach einer Verabredung herauszulocken. Schließlich hatte Philip die Chance wahrgenommen und Jenny für sich gewonnen. Pablo Sprungala brachte einen klaren jungen Mann auf die Bühne, der vor der Ehe als endgültigen Ausgang einer Verbindung dann aber doch zurückschreckte.

Es ist die Abschlussarbeit einer College-Studentin, die am Ende präsentiert wird. An ihr wird die bürgerliche Vorstellung, das allgemeine Missverständnis "Kunst ist machbar" deutlich. Ein wenig abrupt bricht das Werk ab und entlässt den Zuschauer mit einer knappen Definition von Kunst. Der wirklich schöpferische Akt bleibt also weiter im Dunkel.



C.M.Meier

 

 


Das Maß der Dinge

von Neil LaBute

Philipp Moschitz, Henriette Schmidt, Pablo Sprungala, Judith Toth

Regie: Cordula Jung
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