Teamtheater Tankstelle Effi Briest nach Theodor Fontane




Zwänge, Moral und Werte

"Jeder hat Wünsche und wenn diese Wünsche mit Pflichten in Conflikt kommen, so kuckt man sich die Pflichten noch mal an und findet, dass es damit so bindend und brissant nicht liegt ..." so Theodor Fontane.
Effi Briest heiratet als junges Mädchen den älteren, strebsamen und korrekten Landrat Baron Instetten, dem sie mehr Bewunderung denn Liebe entgegenbringt. In die Ödnis einer Provinz verpflanzt, findet sie kaum Zerstreuung. Selbst die Geburt ihres Kindes ändert nur wenig an der Einsamkeit ihres Daseins. Ihre Sehnsucht paart sich mit Dämonen und sie erlebt eine kurze Zeit der Leidenschaft mit Stadtkommandeur Crampas, der ein "Damenmann" ist und eine ihr, im Anspruch auf sinnliches Vergnügen, verwandte Seele.

Ohne große Worte, ohne übertriebene Regungen bringt Fontane seinen Stoff. Die Helden nehmen, unfrei im Willen, beherrscht von der stärkeren Macht, die Folgen dessen was sie tun mussten auf sich und scheitern. Die stärkere Macht ist im Falle Fontanes nicht das Schicksal sondern eine Ordnung, eine gesellschaftliche Konvention, die niemals ungestraft verletzt werden darf. Fontane zeigt an den äußeren Konsequenzen den Weg, den die menschlichen Irrungen und Wirrungen nehmen.

Sowohl sprachlich wie inhaltlich hält sich die von Petra Maria Grühn erarbeitete Bühnenfassung des Romans an die Vorlage. Feinfühlig ist ihr gelungen, Zeit und Sprache einzufangen. So lässt sie die Figuren ihre Geschichte darstellen ohne jemals das schickliche, Fontanesche-Maß zu überschreiten. Baron Instetten zeichnet sie moderner und emotionaler als Fontane dies tat, auch ihre Darstellung seiner inneren Kämpfe lässt den wilhelminischen Staub vermissen. Die Regie von Martina Veh führt dieses Konzept geschickt fort und nur am Ende, als Instetten, überzeugend gespielt von Peter Bamler, Jackett und Hemd ablegt, findet sich ein Übergang in die Gegenwart. Aus der Gegenwart ist auch das Bühnenbild von Barbara Schwarz, ein Berg von Stühlen in geordneter Unordnung, eingesponnen und gleichsam konserviert in durchsichtiger Folie. Und immer wenn Effi, die zwiespältig zwischen Romantik und Ehrgeiz wandelt, von Karo Guthke bedachtsam und doch lebendig gegeben, sich ein Herz fasst um eine Entscheidung kundzutun so klettert sie auf einen dieser Stühle, um dann doch wieder herunter zu steigen ehe sie den Satz vollendet.

Karo Guthke

© Regine Heiland

 

Als nach vielen Jahren die Affäre zwischen Effi und Crampas durch Briefe, einem beliebten Mittel in Fontanes Literatur, bekannt wird, tötet Instetten den Offizier (Markus Menzel) im Duell. Nicht aus Liebe zu seiner Frau tut er dies, viel mehr um den Ehrenkodex zu erfüllen. Die Ehe wird geschieden, Effi muss sich von ihrem Kind trennen und erfährt gesellschaftliche Ächtung. Erst todkrank kann sie ins Elternhaus zurück. Effis Vater, in dessen Gestalt sich Fontane selbst versteckt, wie Wolfgang Rommerskirchen auch glaubhaft machen kann, findet auf die Frage nach der Schuld nur die Antwort: "Es ist ein weites Feld."


"Es gibt keine glücklichen Menschen, es gibt keine glücklichen Ehen.", so Instetten.


Gesellschaft, gesellschaftliche Ordnung steht gegen die natürlichen menschlichen Anlagen. Dies ist ein unlösbarer Konflikt in der bürgerliche Tradition, der patriarchalischen Gesellschaft, der bis ins Heute reicht. Es gilt sich im Spiegel äußerer Eitelkeiten zu betrachten, Karriere, Rang und Ansehen zu bedienen. Wer kann sagen, dass er frei davon ist?
Einen großen Realisten der Vergangenheit in eine realistische Gegenwart zu holen, ist immer ein Experiment. Im Falle der Inszenierung von "Effi Briest" ist es geglückt. Sie zeigt uns unsere Verbindung zur Vergangenheit, die nicht tot, sondern in Frischhaltefolie verpackt, wenn auch scheinbar etwas gemildert, Gültigkeit hat.


C.M. Meier

 


Effi Briest

nach Theodor Fontane

In einer Bearbeitung von Petra Maria Grühn

Peter Bamler, Karo Guthke, Markus Menzel, Wolfgang Rommerskirchen, Esther Straimer, Antoinette Wosien

Regie: Martina Veh
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