Teamtheater Tankstelle Ein Mittsommernachtstraum nach W. Shakespeare




Auf der Bühne nichts Neues?

Die Gruppe THEATER ImPuls hat den Mittsommernachtstraum, eines der meistgespielten Stücke von Shakespeare, geträumt. Sie taten dies auf erfrischende Weise und haben, ganz nach shakespeare'scher Manier dabei auch viel Zeitgeistiges vor das Publikum gebracht. "Thou shall be thrilled" - so lautete ihr Ansatz dabei.

A T H E N - große Stahlbuchstaben standen auf der Bühne verteilt. Zwischen ihnen tummelten sich weißgekleidet, als wären sie tanzende Schlafwandler, die glücklich und unglücklich Verliebten. Theseus mimte die herrschende Ordnung, die dem Glück entgegensteht. Die Musiker an der Rampe eröffneten den Raum, in dem Klang und Gefühl zur Wirklichkeit wurden. Grüne Neonlampen an den Buchstaben erleuchteten die Stahlfestung Athen zum Wald der Illusionen, dem Schauplatz des Verwirrspiels der Liebe. Hierher flohen Hermia und Lysander, folgten Helena und Demetrius. Hier probten die Handwerker das Theaterstück Pyramus und Thisbe. Hier, Jenseits der Ordnung, verteilte der Elf Puck, die Zaubermacht, im Auftrag von Oberon den Nektar der von Cupidos Pfeil erwählten Blume.

Regisseur Andreas Wiedermann inszenierte ein musikalisches Kammerspiel, das mit den Worten "Schlafen wir noch oder träumen wir schon?", frei nach dem Werbemotto "Wohnen sie noch oder leben sie schon." angekündigt wird. Das Stück wurde auf diesen Schwerpunkt Traum hin bearbeitet, gekürzt, der Text zu Beginn kurzweilig aufgepeppt und dann gegen Ende leider gnadenlos verreimt. Das unterstützte das heiter lockere Spiel des Ensembles und entführte auch in moderne Innenleben die von "Atompilzen über München und Männern in Lederhosen mit Steinäxten und Bier" fantasierten. Das Rollenstudium der Handwerker, eine Reflexion über das Spielen, geriet zu einer Persiflage auf das verbreitete Seelenheil-Seminarunwesen und war als solche für Schmunzeln und Lacher gut. Urs Klebe als Squenz verstand es geschickt, dies mit dem nötigen Ernst, der das Zwerchfell herausforderte, auf die Bühne zu bringen. Matthias Wagners Mimik und Körpersprache gaben dem eselsköpfigen Zettel glaubhaft Gestalt, der von Titania (Eva Bräu) verführerisch schlangenhaft tanzend umgarnt wurde. Als Thisbe überzeugte Matthias Lettner. Mit einem Wort, für Unterhaltung war hinlänglich gesorgt.


Matthias Lettner, Eva Bräu, Matthias Wagner


Besonders zu erwähnen sind die musikalische Komposition von Bernhard Zink und der Gesang. Countertenor Valerius Barna-Sabadus trug völlig unprätentiös Lieder des Renaissancekomponisten John Dowland vor - ein Klangerlebnis, das in Erinnerung bleibt. Die klassischen Lieder verbunden mit modernem Sound und geschickter Instrumentenwahl bildeten gleichzeitig Untermalung und tragendes Element. Was wäre die Liebe ohne Musik?

Pyramus und Thisbe sterben wie Romeo und Julia an unerfüllter Liebe, während den Paaren Theseus und Hippolyta, Hermia und Lysander, sowie Helena und Demetrius das Komödienglück hold ist - Dank Puck. Mit ein bisschen Zauberei und Wohlkräutern hätten demnach auch die unglücklich Liebenden in den irdischen siebenten Himmel gelangen können. Ist man doch heute mehr noch als zu Shakespeares Zeit der Ansicht, dass für alles ein Kraut gewachsen ist und dieses "dem Glück auf die Sprünge helfen" ist längst ein gewinnbringendes Marktsegment. So schüttete sich schließlich am Ende auch der schwarzgekleidete Puck rote Herzen über Hut und Haupt. Auch für ihn gab es, wie für alle, Liebe aus der kleinen Flasche.

"Modernes Theater muss enttäuschen.", meinte Squenz zu Ende der Proben. "Thou shall be thrilled" - erschaudern machte die Inszenierung nicht, dazu war sie zu leicht und offensichtlich angelegt, amüsiert hat sie allerdings sehr wohl und wirklich hörenswert sind Gesang und Musik.


C.M.Meier

 

 


Ein Mittsommernachtstraum

nach W. Shakespeare

Eva Bräu, Franz Brandhuber, Lisa Erdmann, Maria Hafner, Urs Klebe, Sönke Küper, Matthias Lettner, Christina Matschoss, Matthias Wagner

Musik: Valerius Barna-Sabadus (Countertenor), Philipp Grüll (Gitarre), Lucia Wagner (Percussion, Synthesizer), Andreas Hirth (Violine, singende Säge)

Regie: Andreas Wiedermann
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