Kösk EMPIRE von Rohtheater


 

Die Erde ein Laborversuch?


Dicht an dicht gedrängt, gleich Bakterien in einer Laborprobe, hängen Chinesen in Schwimmreifen im Wasser. Vielmehr verdrängen sie das Wasser, welchem nur geringer Raum zwischen den Körpern und dem Plastik bleibt. Mit diesem Bild, in zwei um 180 Grad verschobenen Projektionen, begann die Installation von Rohtheater.


Das Künstlerkollektiv arbeitet vornehmlich mit Bildern, welche durch Klänge und philosophische Erzählungen erweitert werden. Tritt einer der Künstler ins Rampenlicht, so entsteht ein weiterer Schwerpunkt im Handlungsablauf. „Rohtheater betreibt eine wilde Form von philosophischer Immersion, die das kritisch bearbeitet was ihr zu Grunde liegt: Virtualität.“ Mit diesem Satz beschreibt die Gruppe ihr Anliegen. Wohl kaum ein anderes Thema ist von derart umfassender Aktualität.


„Da begreife ich, dass ich die Welt bin. Doch die Welt ist nicht ich. ... Da begreife ich, dass ich die Welt bin. Doch die Welt ist nicht ich.“ Und dennoch, wie sehr sich die Formen in Natur und Technik gleichen wurde offenbar. Mit den Bildern von Naturwesen und Maschinen, gebrochen durch Zeichnungen und Bauwerke führte Rohtheater weiter  in das Thema  - EMPIRE. Weltweit ändern sich Kulturen und Lebensweisen in ein Format. Die Überblendungen zeigten wie die Zwischenräume immer enger und kleiner werden, wie sich Muster überlagern und das Gefühl für den letzten Freiraum verloren geht. Analog und digital festgehaltene Bilder vermischten sich zu einer weiteren Weltsphäre. Unterscheidung?

  EmpireROHTHEATER  

 

 

Dominik Obalski

 © Rohtheater

 

Ob Roboter oder Computer – die Ablöse von der evolutionären Entwicklung des Primaten zum Postprimaten mündet derzeit in deren Umgestaltung zu Cyborgs. Hierbei handelt es sich um eine Vereinheitlichung zu Organismen, welche über Programme beliebig steuerbar sind. Zelebriert wird dies über das Ritual um die Bildschirme und die Bedienung der digitalen Maschinen, dem zu folgen fast unabdingbar ist im Kommunikationsmodus. Was als Vision gepriesen wird, ist lediglich die Verbreitung von propagierter Vorstellung, die längst systemisch ideologische Züge aufweist.

Den zentralen Akt der Theaterinstallation bildete die rituelle Opferung eines Körpers. Diese Aktion zeigte beispielhaft die Verarbeitung der Natur zu ideologischen Zwecken. Erst wurden Lebewesen zu Nahrungsmittel aufbereitet und dann die letzten Menschen im Heilswahn der Schulmedizin geopfert. Ritual ist Ritual. Und Rituale wurden zu Heiligen Handlungen erklärt. Jeder Versuch zu widersprechen ist Ketzerei.

Statt dem Menschen die Chance zu effektiver Entwicklung einzuräumen, wird er „Der überflüssige Mensch“ wie Ilja Trojanow beschrieb. Hier kollidieren Interessenslagen, nicht wie bislang hauptsächlich auf der materiellen Ebene in Zerstörungsschlachten, sondern auf ideologisch industrieller Ebene in der digitalisierten Welt des globalen Empire. Mit der Projektion von Bildern aus den unterschiedlichen Kulturkreisen – welche gerade ein letztes Aufbäumen versuchen – wurde durch Überlagerung und Mischung der Prozess in der Weltgemeinschaft aufgezeigt. Die Bilder der Roboter erschienen auf der weißen Wand, sie hatten eine Existenzgeschichte auf ihren Chips gespeichert und wurden von Gegnern verfolgt und getötet, von anderen ermordet. Der Primatenmodus wird derart auf Maschinen übertragen und als Entwicklungsschritt gefeiert. Die Vorstellung vom "besseren Menschen" wird in der Realität auf Maschinen ausgelagert. Wie doof ist das denn? Diese Frage müsste tatsächlich öffentlich aufgeworfen werden. Denn sie ist nicht mehr und nicht weniger das Eingeständnis des aktuellen homo sapiens, dass er gescheitert ist. Die Paranoia der Naturwesen in der täglichen Überlebenstaktik wird global universell weitergetragen. „Das Leben des Menschen ist von Tagträumen durchzogen …“Traum und Täuschung lösen einander ab in den Köpfen.

EMPIRE – kann auch stehen für die Weltregentschaft der Konzerne,die alles Existierende wirtschaftlichen Interessen unterwirft. War Politik einstmals im Sinne von Gestaltung einer Gesellschaft aktiv, so wird sie nun immer mehr zur bloßen Verwaltung von Machtinteressen. Die Plutokratie frisst die Demokratiebestrebungen auf, in immer schnellerem Tempo. Und Industrie dominiert das Weltgeschehen. Der Schöpfung ist dies keineswegs gleichgültig, sie schüttelt sich gerade um sich von der überflüssigen Last zu befreien. Der Kampf Welt gegen Schöpfung – die Paranoia hat eine weitere Dimension erreicht.

Mit der Installation EMPIRE stieß die Künstlergruppe Rohtheater eine Reihe von Gedanken an, die sie durch Assoziationen erweiterten, damit aufzeigte wo wir stehen und … den Raum für Katharsis eröffneten. Theater im besten Sinne!


C.M.Meier

 

Weitere Vorstellungen am 11. + 23. Nov., 16. Dez. 2016 und ...


EMPIRE

von Rohtheater

Bülent Kullukcu, Anton Kaun, Dominik Obalski

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