Kolumne


 

Alles Theater

Einer steht auf der Bühne deren Bretter die Welt bedeuten, ein anderer stellt sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum und wiederum ein anderer sucht mit abstrusen Handlungen Zustimmung in einer völlig überforderten überfütterten Gesellschaft. Aufsehen, Beachtung erregen und die Energien der Massen auf sich ziehen, steuern, kollidieren lassen, oder gar in Nichts verpuffen. ‚Alle haben mich gesehen, alle haben mich gehört, alle folgen meinen Worten, meinen Taten‘ und damit kreiert sich der Held, die Heldin. Und dann … Tja und dann geht es überall drunter und drüber, durcheinander und gegeneinander und teilweise ein Stück miteinander. Idee, Wortlaut, Missverständnis, Intrige, Krieg und Schlachten, bisweilen ein wenig Frieden und Überlegung folgen aufeinander, füllen die Zeit, den Raum, die Zeiten in den vielen parallelen Räumen. Es wiederholt sich, wie sich Wortlaute wiederholen, die aus dem Bücherkeller geholt, aufbereitet, aufgehübscht, aufgebracht unter die Leute gebracht werden. Das scheinbar Gute - Wer lauter schreit hat Recht - verschafft sich in der technisierten Umgebung große Lautsprecher und dringt bis in die finsterste Ecke, den tiefsten Keller. Doch was nützen Tausende, tausende Zuhörer, Millionen Beobachter, was nützen Milliarden, Milliarden an Geld, dem Tauschmittel, Milliarden an Jahren Zeit, wenn doch niemand den Kern begriffen hat, zu begreifen in der Lage ist, oder jemals sein wird. Und doch … was soll werden … der Vorhang hebt sich, der Vorhang fällt, die Scheinwerfer rücken Hamlet ins Licht, um auf Knopfdruck diesen im Dunkel verschwinden zu lassen. Nebelmaschinen werden angeworfen und der klare Blick binnen Sekunden getrübt, wie die Wahrnehmung durch den beißenden Geruch irritiert, die Vernunft vergiftet, die Emotionen verdampfen zwischen den Zuschauern, es niesen die Beteiligten, husten lauthals buchstabenlos Töne zu einem unkomponierten Choral. Der Urton dominiert die Schwingung im Raum, Chaos, Lärm, bis ein Dirigent das Orchester auf Tonfolgen einigt, Instrumenten von begnadeten fleißigen Könnern Melodien entlockt werden, um für Momente Einigkeit entstehen zu lassen, bis diese Frequenzen in der Welt sich verbreiten und schließlich verflüchtigen. Überall in der Atmosphäre geriert sich Theater, entstehen Kulturen wie sie vergehen, spielen Personen Rollen in erfundenen, gefundenen Stücken, Leben. Die Vielzahl der Möglichkeiten, Interpretationen des Geschehens, des Geschehenen, häufen sich zu Gedanken- und Erfahrungsbergen die den Blick auf den nächsten Moment verstellen, als wären alle jemals erzeugten Requisiten gleichzeitig im Bild und Überblick oder gar Durchblick die einzige Unmöglichkeit.

Angeblich ein Witz: Treffen sich zwei Planeten im All. Fragt der Eine den Anderen: „Wie geht es dir?“ Der Gefragte seufzt: „Weißt du, dieser homo sapiens …„ Darauf der Andere sakrastisch: „Den wird man schnell wieder los …“ Betroffene Stille im Zuschauerraum. Wirklich lustig ist der Witz nicht und doch finden sich ein paar unerschreckbare oberflächlich gesteuerte treibend getriebene Macbeth’s, deren Haha die Stille füllt, ja kollabieren lässt und als Zugabe gibt es Applaus von denen obendrauf. Ist doch alles nur Theater, Theater, Theater

C.M.Meier


Mai 2020

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