Kolumne


 

Hauptsache

Es ist die Zeit für eine neue Kolumne. Ich sitze, ich notiere, ich sammle. Und als ich dann das Material sichte, stelle ich fest, dass ich zu all dem aktuell Angebotenen bereits Stellung genommen, mich geäußert hatte. Nichts, aber auch gar nichts Neues war auf den Bühnen, und rund um diese herum, passiert. Und nun laufe ich durch die Stadt, traurig, fassungslos … Liegt es an mir, meiner kleinen Weltsicht oder ist die Szene tatsächlich festgefahren und die alten Helden lassen sich immer noch feiern für ihre alten Einfälle, die längst alltäglich geworden sind zu Gepflogenheiten. Entmachtet die alten Helden! Entmachtet die in die Jahre gekommenen Helden um ihre Bilder und Akte von den Bühnen zu fegen, sie der Vergangenheit zu übergeben. Immer dieselben Namen, immer dieselben Sichtweisen, immer dieselben Muster.


Nun, es geht wohl weiter … weiter wie gewohnt, denn die Gewohnheit ist es, die immer und überall, Sekunde für Sekunde, das Geschehen dominiert. Die Gewohnheit, die beginnt wenn man morgens die Bettdecke zurückschlägt, den Fuß auf den Boden setzt, im Bad nach der Zahnbürste greift und später den Kaffee in die Maschine füllt. Es ist die Gewohnheit - die durch stete Wiederholung selbstverständlich, alltäglich gewordene Handlung – die durch den Tag führt und die immer wieder auf dieselbe Weise wahrnehmen lässt. Was unterschiede nun einen Theatermacher von all den anderen Mitmenschen in ihren Gewohnheitsschleifen? In jungen Jahren hegte er/sie aufständische Ansichten gegen die, im Marsch der Gewohnheiten, vor sich Hindämmernden. Sie mischen die Gedankenwelt der gewohnten Gepflogenheiten auf und öffnen Türen, gehen neue Wege. Sie lärmen und verrücken Stühle, sie zerstören Vorstellungen und ersetzen diese durch andere, aus denen auch irgendwann wiederum Gewohnheiten werden. Diese werden angenommen, zu einem Teil des Gelebten und damit schließt sich ein neuer Kreis. Anhänger und Gegner der Ansichtsweise platzieren sich und dann ist es, als ob der Gedankenaufbruch, die Revolution der Vergangenheit eingeholt, längst Geschichte ist. Bis wieder jemand gegen die Gepflogenheiten aufbegehrt, Worte, Sätze, Verhalten verrückt für eine neue, bessere, andere Welt. Der Spielraum Bühne, eine Erprobungsfläche für Hirngespinste, aber auch für klassische Erfahrungen, sowie gewohnte Geschichte in der Gegenwart, ist der lebendige Spiegel der Gesellschaft in ihren Gewohnheiten. Woran haben wir uns gewöhnt? Hauptsächlich an Selbstbespiegelung, und der Kreis naiver Egozentrik wird Sekunde für Sekunde enger. Längst fehlen Luft und Freiraum zwischen den glänzenden Flächen. Auch an ein formlos anstandsminimiertes Miteinander gewöhnte man, an die zur Schaustellung von Gefühlen als Maß allen Seins gewöhnte man, an Reduzierung auf naturgemäße Vorgaben gewöhnte man, an Meinungen und Textmengen anstelle von differenzierten Erkenntnissen gewöhnte man, an das Aufbrechen von Regeln und Strukturen zur umfassenden Beliebigkeit in populistischer Lautstärke gewöhnte man, an Orientierungslosigkeit auf der Suche nach sogenannter Freiheit gewöhnte man. Doch wahrhaben will man dies keinesfalls, so klammert man sich an die Gewohnheiten auf der simplen Ebene der täglich begrenzteren Möglichkeiten. Am Gipfel der Einfallslosigkeit werden klassiche Helden umdesignt mit modernen Worten, um schließlich wie Zombies durch die Zeit zu geistern. Hype in oder her, wenn es zur Leerstelle wird, füllt bestenfalls, bestenfalls Langeweile die letzten verbleibenden aktiven Partikel aus denen Gegenwelten hätten entstehen könnten und damit lebendiges Spiel um den Sinn und die Erscheinungen des Lebens. Wann  was  wie  wo  wer  warum

warum
rawum
muraw
wamur
rumaw
maruw
wumar
rawum
warum

C.M.Meier


August 2018
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