La cattedrale nel vento
i-camp La cattedrale nel vento von Yvonne Pouget
Eine dunkle Gestalt kauerte im schwarzen Raum auf dem Boden. Durch den Schleier des Hutes schimmerte weiße Haut. Langsam und kaum merklich bewegte sie die Hände, weiß im Dunkel. Nur mühsam regte sich der versteinerte Körper. Die Zeit schien still zu stehen und gleichsam den Betrachter einzufangen. Nach und nach löste sie die Starre, zeigte ihr Gesicht, erhob sich, öffnete den Mund zu einem lautlosen Schrei. Die Schöpfung begann ihren Tanz, begleitet von Obertongesang.
Der Wind trägt die Gedanken durch die Zeit und der Gesang brachte die Seelen zum Schwingen. Gianni Lamagna erhob seine Stimme und sich aus dem Bühnenhintergrund. Der begnadete Sänger erfüllte mit den sinnlich poetischen Klängen neapolitanischen Temperaments. „… maje na parola …“, der ungeliebte Mann „ Dimme na vota sola: Te voglio bene“ sang sehnsuchtsvoll. Ein Zustand vergleichbar einem Plasmaraum machte sich breit. Dann erhoben sich Giacomo De Benedetto und Elien Rodarel und gemeinsam öffneten sie die Pforten, wie ein Schmetterling die Flügel zum Flug.
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Annett Göhre, Elien Rodarel © Anja Wechsler |
Und wie zarte helle Schmetterlinge tanzten Annett Göhre und Elien Rodarel Ballett. Leichte helle Körper, Symbole der Sinnlichkeit, suchten in Selbsterkenntnis, in Begegnung Erfüllung. Illusion des reinen Seins. Im Schwarzen Loch fällt alle Materie zusammen, an dessen Ereignisrand tanzen die Illusionen. Diese Verdichtung von Materie findet im menschlichen Körper ihre Entsprechung. Realität. Durch Gesang lässt sich Sein und Materie verbinden.
Yvonne Pouget und Giacomo Di Benedetto spielten ein dunkles Paar, das sich mit den hellen Schatten des Seins vereinte im Spiel des gemeinsamen Fliegens. Gianni Lamagna erzählte von den Wechselspielen von Freude und Leid, von Sehnsucht und Schmerz, begleitet von Anna-Maria Hefele und Pasquale Ziccardi. Ins Licht gesetzt wurde die Szenerie von Rainer Ludwig, der es versteht Betonung zu setzen, ein Spektrum zu brechen, fühlbar die Wahrnehmung des Zuschauers zu lenken.
Eine Kultur steht für sich. Es bedarf keiner Worte der Begeisterung, keiner Worte der Erklärung. Es bedarf gelebter Liebe im Tun um sie in die Welt zu tragen, es bedarf Abenteuerlust und Verständnis, um sich auf ihre Fertigkeit einzulassen, sie zu teilen. Beides erfüllte den Raum des i-camp.
Die Macht der Tradition und der in den Jahrhunderten gesammelten Erfahrung floss in die Rituale ein. Werden diese gepflegt, so leben die Menschen ihrer Bestimmung gemäß. Dies führt immerhin zu ausgeglichenem Selbstverständnis, eine Lebensqualität.
Erst durch die Liebe zwischen Frau und Mann beide zu Menschen werden. Die Haltung in die Welt und die Zukunft zu tragen obliegt naturgemäß dem Mann. Dieses patriarchale Weltbild wird gepflegt in einer Kultur in der ebenso enthusiastisch nach der Mutter ausgerufen wird. Welch wundervolle Lebendigkeit! Aufrechte unvergessliche Kraft strahlte im Licht, Lächeln auf den Gesichtern der Tänzer kündete Freude. Die Worte „Dormi, tesoro mio, qui sul la mia seno“ erklangen in der Kathedrale des Windes.
… Es ist gegenwärtig
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Yvonne Pouget, Gianni Lamagna © Anja Wechsler |
C.M.Meier
La cattedrale nel vento
Musiktanztheater von Yvonne Pouget
Gianni Lamagna, Giacomo De Benedetto, Anna-Maria Hefele Tanz: Annett Göhre, Elien Rodarel Gitarre: Pasquale Ziccardi Idee/Choreographie/Regie/Tanz: Yvonne Pouget |