Die Oppelts

TamS Die Oppelts haben ihr Haus verkauft von David Gieselmann


 

 

Das Schmunzeln in Albert Einsteins Gesicht oder Alles relativ

Es sind nicht nur Raum und Zeit relativ, vergleicht man die Uhren in denen die Zeit stattfindet, zumal wir uns in einem bewegten Bezugssystem befinden und die Mechanik auf andere Einflüsse reagiert als die Elektronik währenddessen beugt die Gravitation ... Wer zieht wen auf welcher Ebene an, stößt ihn ab. Die Welt besteht aus vielen Ebenen, ist weit mehr als ein Kontinuum der Münze und des Speeres. So wie in der Welt des Geldes das Kapital die immaterielle Überhöhung bildet, so wie aus der virtuellen Welt der Computer die Algorithmen in Bilder zurück verwandelt, so versetzt eine bestimmte Frequenz den Menschen auf die Ebene zu materieller Schöpfung. David Gieselbach schuf in diesem ehemals freien Raum ein wundervolles Gedankenspiel, heiter und intelligent.


Laura Ambrosia Gudmund, ein hellsehendes Medium, veranstaltet Seminare und verbreitet  darin auch die Überzeugung: „Es existieren andere Welten!“ Unterstützt von ihrem Sohn Peter wird daraus eine Gemeinschaft, ein einträgliches Geschäft. Verdammt dünne Luft. Pia folgt dem amerikanischen Traum von Freiheit und Reichtum in die US. Die für sie mögliche Variante der Umsetzung bietet eine Heirat mit dem wohlhabenden Tom. Doch als dieser in der Finanzkrise alles verliert, verliert er auch seine Frau an den Zwillingsbruder Ted. Gleiches Aussehen, gleiche Gewohnheiten, sehr ähnliche Männer. Das Konzept steht. Pia nimmt an einer Veranstaltung von Laura Ambrosia teil und schon gerät die bewährte Vorstellung durcheinander und die beiden werden Nachbarinnen. Denn: Die Oppelts haben ihr Haus verkauf(en müssen). Wiederholung des Plans in einer Parallelwelt.


Beles Adam verkörperte die, mit dem Ob-Raum experimentierende Laura Ambrosia. Souverän verfolgte sie den Faden ins Jenseits. Die pure Überzeugung haftete beinahe sichtbar an ihr, das änderte sich auch nicht, wenn sieerkundend „durch die falsche Türe gegangen“ war. Densich erwachsen wähnenden Jungen, der dem Programm der Mutter folgt, daraus Kapital zu sammeln sucht, spielte Burchard Dabinnus. „Eines Tages werde ich auch mal eigene Wege gehen.“ Naseweise Spitzbübigkeit in Person. Pia, die pragmatische Frau mit den glänzend blitzenden Ohrringen,  wurde zielgerichtet von Catalina Navarro Kirner gegeben. „Bist du zur Liebe fähig?“ Kalkül der Verführung und doch Opfer derselben. Stephan M. Fischer kam der Funktionalismus Pias entgegen, bediente geradezu seine Denkschemen. Allein er trug zwei verschiedene Schuhe, den flexiblen Turnschuh und den stabilen Cowboystiefel. Tom und Ted. Ted und Tom. Er schlitterte verwirrt schließlich ins Verhängnis. „Früher war damals anders.“

Das Geschäft mit dem Glauben und den Konsequenzen ist phänomenal, boomt wie kaum eine andere Branche. Heute wie vor tausenden Jahren. Der Glanz blendet ebenso wie der Durchblick abstößt. Ein Duschvorhang, nein, der Schleider des Geheimnisses oder des Vergessens zierte die Bühne. Die Darsteller versteckten sich dahinter, um unerkannt dem virtuellen Glashaus zu entkommen. Oder war es die kleine Freiheitszone in der man sich traf? Einerlei der Name. Am Ende waren alle Darsteller und das Publikum aufgeräumt im Ob-Raum angekommen. 

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  © Hilda Lobinger
 

Seile hingen von der Decke auf die Bühne, gleich Gedankensträngen im Ob-Raum. Ein alttestamentarischer Strang eines Feldherren lautet: „Macht euch die Erde untertan.“ Der Glaube an ihn ließ Millionen und Abermillionen danach handeln. Die verheerende Zerstörung ist eklatant. Und doch hat noch keiner versucht das Seil zu kappen, den Satzin der Datenbank zu löschen, haben wenige ihn durch einen anderen ersetzt. „Lebe durch Inspiration in Kooperation mit der Natur auf der Erde.“ Zumindest ein Versuch.


Es ist die Frage, welchen Gedanken man folgt, an welcher Idee klammert, bewegt, schaukeltman im Wind. Treibgut im Universum. Der universell gebildete Mensch ist in der Lage zu verstehen und zu begreifen über eine entwickelte Intelligenz. Sie steht über der Natur des Fressens und gefressen Werdens und über der Gefolgschaft des bloßen anhängenden Wiederholens einer, einem bestimmten Augenblick entsprechenden Aussage. Albert Einstein formulierte: „Ein Problem kann niemals auf der Ebene gelöst werden, auf der es entstanden ist???“ Dafür steht der Ob-Raum mit seinen Möglichkeiten offen. Ob dies … ob dies … und/oder ob dies … eine Option in einer Zeit ist, gilt es zu erforschen und vorumsichtig zu probieren.


Wie im zeitgemäßen Theaterstück von David Gieselbach, in dem das Vielleicht ausgebreitet und darin gespielt wurde, kann Aufklärung unterhaltend stattfinden. Die enthaltende Metaphysik setzte die Regisseurin Judith von Radetzky fantasievoll in, der skurrilen Realität absolut entsprechenden Bildern um. Überboten wurden diese lebensnah von den Schauspielern, grandios amüsant.

 

C.M.Meier

 

 


Die Oppelts haben ihr Haus verkauft
von David Gieselmann

Beles Adam, Catalina Navarro Kirner,  Burchard Dabinnus, Stephan M. Fischer

Regie: Judith von Radetzky

 

 

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