Schwere Reiter Geld Ein Projekt von Tomma Galonska


 

 


Thema Nr. 1

… dazu ließe sich sehr viel sagen. Dazu wird derzeit allerorten und in allen Medien ausführlich berichtet. Ein hochprozentiges Thema könnte es sein, welches zu Visionen, Ideen, Lösungen und auch Auflösungen anregt. Nun, um eine Art von Auflösung ging es in der Aktion der Gruppe [physisch]. Um die Auflösung von Sprache in so genannte Speech-Acts. Die „Rückkehr der gesprochenen Sprache zu einer Natur der Bildlichkeit setzt aber eine Umpolung und Erweiterung des genormten Sprachverständnisses voraus.“, wie es dazu auf der Website der Gruppe heißt. Dieser Vorgang, kunstvoll betrieben, findet sich formvollendet in den alten Stummfilmen. In deren Szenen liegt die Emotion pur auf den Gesichtern der Darsteller, hier wird jede Handbewegung zur großen Geste, hier erlebt der Betrachter die Gefühle nach – bis hin zu den Tränen des Leids oder der Heiterkeit. Dagegen bot die bloße Auflösung von Sprache, Bühnensprache in einfache Sätze und kreative Floskeln in der Show allerdings wenig Überraschendes. »Ich heiße Anja Wiener. Meine Zunge gibt sich dem Geld hin.« … »Ja klar man! Selbstoptimierung, man! Man wird selber Kapital, man!« … »Ich heiße Anja Bargeld.« Die gestische Darstellung von Worten, von Emotionen und die tänzerische Umsetzung von Begriffen wie Identität und Geld, welche beide der sinnlichen Erfahrung entgegen stehen, konnte folglich auch nur bedingt gelingen. Allein der Tanz um persönliche Erfahrung und die wechselnden Erscheinungen der flexiblen zeitgemäßen Klischeeidentitäten, welche wie die Mode wechseln, wurde zelebriert. Das Hecheln um die Scheine, das auf der Strecke bleiben, der erneute Anlauf und der Verkauf des eigenen Körpers sind nur allzu bekannte Bilder. Das Konzept von Tomma Galonska orientierte sich vornehmlich an menschlichen Befindlichkeiten, machte diese sichtbar, ohne einem erkennbaren Faden zu folgen oder einer Geschichte. Der grüne Teppich und die über der Bühne hängende, fast leere Wasserflasche waren wohl als Hinweise auf die Natur gedacht. Also Erinnerung an Bekanntes. Doch wie bekannt ist es tatsächlich? Anja Wiener erspielte lebendig wechselnde Szenen mit Identitätsbildern wie Angst und Furcht und Selbstgefälligkeit und Raffgier. Stephanie Felber tanzte wie von unsichtbarer Kraft getrieben, sang, begehrte auf und erlag. Anastasio Mitropoulos gelang es seiner Gitarre sphärische Klänge zu entlocken, welche die Gefühlswelt für kurze Zeit im Raum deutlich erfahrbar zum Schwingen brachte. Die darüber hinaus ansprechenden Momente zauberte Pit Schultheiss mit Licht.

Auf sehr dünnem Eis, nein, auf grünem Teppich wurde performt. So viel versprechend die Ankündigung der Show klang, so wenig anregend blieb die Umsetzung. Aus Auflösung und minimalistischer Wiedergabe entsteht angesagte Kunst. Eines veranschaulichte der Abend allerdings auf geradezu grandiose Weise: Geld an sich verfügt über keinerlei Identität. Geld als Fetisch hinterlässt Leere und Langeweile. Erst der Einsatz von Geld für ein persönliches Bedürfnis, ein Anliegen oder auch nur eine Laune gibt dem Tauschmittel Bedeutung. An dieser Bedeutung hängen, wie an einem seidenen Faden die Leben von mittlerweile sieben Milliarden Menschen.
 
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Stephanie Felber, Anja Wiener

© Anne Wodtcke

 

 


C.M.Meier

 

 


Geld

Ein Projekt von Tomma Galonska

Anja Wiener, Stephanie Felber
Gitarre: Anastasio Mitropoulos

Konzept/Regie: Tomma Galonska
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