Theater Viel Lärm um Nichts Hab ich nicht in Brabant mit Euch getanzt


 

 

 
Schlag nach bei Shakespeare ...

Die Zutaten dieses Abends waren Georg Kaiser und William Shakespeare. Kaisers Erzählung "Masken" lieferte die Folie. In dieser Geschichte verbringen zwei einander fremde Menschen gemeinsam eine Nacht auf einem Maskenball. Ihre Übereinkunft, die eigene Identität nicht preiszugeben, lässt sie schwelgerisch einen Traum erleben, der zum lebenslangen idealisierten Wahn wird. Als nach vielen Jahren der Mann seine Ehefrau beerdigt hat und deren Nachlass ordnet, findet er die Maske und muss erkennen, dass er neben dem Wahnbild mit der Frau hinter der Maske verheiratet war. Er lässt sein Leben Revue passieren und das Traumbild zerfällt. Die Realität hat ihn eingeholt.

Um diese Geschichte zu erzählen, bedienen sich die beiden Schauspieler Margrit Carls (Sie) und Andreas Seyferth (Er) Shakespearescher Texte, entnommen aus "Wie es Euch gefällt", "Verlorne Liebesmüh" und Sonetten. Die Worte des Meisters werden dabei zum Surrogat, obgleich sie doch eigentlich das Essenzielle sein sollten. Es steht außer Zweifel, dass das Shakespearsche Wort gewichtig klingt, doch ob es taugt, in sezierter Form jeder Folie unterworfen zu werden, ist höchst fraglich. Es ist grundsätzlich problematisch, Shakespearetexte zu collagieren. Taugt auch so mancher seiner Sätze durchaus zum Sprichwort, so taugen viele Sätze keineswegs für den beliebigen Einsatz. Shakespeares Stücke sind nicht selten in ihrem Bau mangelhaft und ebenso klappert gelegentlich sein Vers. Doch tut dies der Genialität keinen Abbruch, denn die einzelnen Werke in Ihrer Geschlossenheit sind von so starker Magie, dass mancher Kunstfehler zum Kunstmittel wird.

So gerät man als Besucher dieser Inszenierung in zweierlei Hinsicht unter Druck. Zum einen examiniert man sich ständig selbst, ob man die Zitate wieder erkennt und dem Original zuordnen kann, immer auf der Suche nach der Shakespeareschen Botschaft. Zum anderen sucht man nach dem Schlüssel für den Sinn, der dem Augenblick auf der Bühne innewohnt. Da muss viel Kopfarbeit geleistet werden, zu viel. Theater ist ein sinnliches Medium und die Sinnlichkeit kam hier einfach zu kurz. Obgleich das ganze Stück von der Liebe handelte, am Ende war es dann doch nur eine Beziehungskiste und traurige Ehe, wurde außer Theoreme der Desillusion wenig wirkliches, fühlbares Leben vermittelt.

Dabei waren die Konstellationen gut. Die Regie von Eos Schopohl zeugte von einer sicheren Hand und selbst das ungeübte Auge konnte deutlich den Versuch einer klugen Vermittlung zwischen Text und Spiel erkennen. Das Bühnenbild von Irina Schicketanz war so einfach wie wirkungsvoll. Eine diagonal den Raum zerteilende Wand aus Jalousien schafft zwei Welten, eine Traumwelt, die gleichsam als Jenseits fungiert, und eine reale Welt. Diese Wand konnte transparent und auch undurchdringlich sein. Zugleich war sie Projektionsfläche für magische Impressionen. Doch leider spielt der Text in diesem gelungenen Raum nicht immer wirklich mit, sondern wehrt sich und verhindert zum Teil Komödiantisches, das bei Andreas Seyferth immer wieder durchschimmerte und seine Gestaltungskraft erahnen ließ. Während er manches Mal zur Körperlichkeit aufbrach, spielte Margrit Carls durchgängiges Understatement, kühl, berechnend und gelegentlich auch deklamierend. Da das Stück schon auf höchstem poetischen und auch intellektuellen Niveau beginnt, sieht sich der Zuschauer in ein Spannungsfeld gebannt, das ihm kein genüssliches Zurücklehnen erlaubt. Dieser Versuch ist an dem hohen, von den Machern selbst auferlegten intellektuellen Anspruch gescheitert. Bei Shakespeare nachzuschlagen wäre müßig, denn diese Geschichte schrieb nicht er.


Wolf Banitzki

 

 


Hab ich nicht in Brabant mit Euch getanzt

Margrit Carls und Andreas Seyferth

Regie: Eos Schopohl
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