Theater Viel Lärm um Nichts Mein letzter Film von Bodo Kirchhoff


 
 
 
Wo Soap anfängt und nicht endet …

Marie ist Schauspielerin und angetreten, ihren letzten Film zu drehen. Diese Absage gilt nicht nur dem Medium, sondern auch einem Leben, das nur noch Bitternis für sie bereithält. Sie macht Tabula rasa, sortiert Erinnerungen aus und am Ende bleibt nur noch ein Koffer voll übrig, mit dem sie in ein neues Leben startet.

Die Abrechnung gilt dabei vornehmlich den Männern. Es sind drei an der Zahl und durchweg Enttäuschungen. Mit Richard teilte sie das Leben, die anderen waren nur Episoden, Ersatz oder Lückenfüller. Richard ist Regisseur und er inszenierte ihrer beider Leben, womit die wichtigste Charakteristik des notorischen Fremdgängers benannt ist. Marie avancierte an seiner Seite immerhin zum gut bezahlten und umjubelten Serienstar. Zu spät hat sie erkannt, dass die Klischees der Soap sich auch in ihr Leben geschlichen haben. Autor Bodo Kirchhoff startete mit seinem Text den Versuch, dies aufzudecken und blieb dabei allzu häufig selbst in Klischees stecken. Wer eine den Erfahrungshorizont erweiternde Lösung erwartet, wird enttäuscht. Maries Abgang ist ein verzweifelter und mit dem letzten Gesicht der Verbitterung in das neue Leben starten zu wollen, lässt nicht gerade Hoffnung keimen.

Eos Schopohl, die ihre Sensibilität für Bühnentexte in der Vergangenheit hinlänglich unter Beweis gestellt hat, machte das Beste aus der eher dünnblütigen Vorlage. Sie griff die Grundidee des Stückes, einen Film zu inszenieren auf, und stattete die Designerwohnung (Lucia Nußbächer) mit drei Kameras und ebenso vielen Monitoren aus. Sie nahm ihre Protagonistin Maria in die permanente Pflicht zu inszeniertem Spiel. Dabei versäumte die Regisseurin es nicht, die Wandlung der Person Marias deutlich in Szene zu setzen. Gabi Geist, in Habitus und physischer Erscheinung ein gelungene Besetzung, starte anfangs als Seriendarstellerin, notwendiger Weise ein wenig schrill und ein wenig aufgesetzt, denn, und das weiß eine erfolgreiche Seriendarstellerin sehr genau, die Kamera hat ihre eigenen Gesetze. Mit zunehmender Ernüchterung über ihr Leben, oder vielleicht auch mit zunehmender Natürlichkeit infolge des steigenden Alkoholpegels, bröckelte die Fassade. Die Frau hinter dem von ihr gestalteten medialen Ereignis wurde sichtbar und die war gezeichnet von der eigenen Lebenslüge und dem ewig kaschierten Alter. Am Ende blieb Verzweifelung und Wut. Beides zusammen sind ein hinreichender Kraftquell für einen Befreiungsschlag.
 

Gabi Geist

© Hilda Lobinger

 

Die feinsinnige und durchaus einfallsreiche Inszenierung konnte allerdings nicht über die Klischees und Belanglosigkeiten des Textes hinwegtäuschen. Von durchgängig "witzig" zu sprechen, wäre eine grobe Übertreibung. Allenfalls hatte die Geschichte lakonische Züge, die gelegentlich schmunzeln ließen.

Eos Schopol lieferte eine anständige Arbeit ab. Gabi Geist bewältigte die neunzigminütige Aufgabe, das klassische Maß eines Spielfilms war vorab versprochen worden, mit großem Engagement und Präzision, wofür ihr und der Regisseurin das Publikum dankbar war. Die Geschichte allerdings wird nicht auf ewig im Gedächtnis der Zuschauer haften bleiben. Das hat sie mit den meisten Seriengeschichten gemein.

Vielleicht ist die Wirkungslosigkeit auch nur dem Thema geschuldet, denn es ging bei aller Bemühung des Autors, einen Menschen auf die Bühne zu bringen, um einen Serienstar. Und wie jeder heutzutage weiß, lässt unsere mediale Welt diese Menschen nie aus, selbst dann nicht, wenn sie vom Set abgegangen sind. Einmal Soap, immer Soap. Und Soap ist immer nur für den Augenblick. Oder wie Richard es im Text auf den Punkt bringt: "Jetzt ist, wenn es schmerzt." Mehr Klischee ist kaum möglich.



Wolf Banitzki
 

 


Mein letzter Film

von Bodo Kirchhoff

Gabi Geist

Regie: Eos Schopohl
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