TamS  In geheimer Mission von Maria Peschek


 

 

 

Mission inpossible

 

 

Charlie und Beppi, die heiteren Pendants zu Wladimir und Estragon: Beim „Warten auf Godot“ der Letzteren kam nichts heraus, bei Ersteren, sie warteten nicht auf Godot, ein Buch mit dem Titel „Geheime Mission“. Dennoch sind die Ähnlichkeiten kaum zu leugnen. Die bajuwarischen Clowns wissen auch nicht so recht, warum sie da sind, und hier sind, und woher sie kamen und wohin sie gehen werden. Wobei nicht einmal sicher ist, dass sie wohin müssen. Und wenn man nicht wirklich weiß, wer, wie, was und wieso, weshalb, warum, dann muss man sich etwas einfallen lassen. Charlie, alias Maria Peschek, glaubte schließlich zu wissen, dass beide auserkoren sind, eine geheime Mission zu erfüllen. Die aber ist so geheim, das selbst Charlie und Beppi nicht wissen, worum es dabei geht. Charlie hatte dafür eine einleuchtende Erklärung: So können die beiden nichts ausplaudern, wenn sie gefoltert werden. Beppi, alias Anette Spola, gestand prompt, dass sie unter der Folter reden würde wie ein Wasserfall, „wo (sie doch) kein Blut sehen kann“.

 

Die Geschichte elektrisierte die beiden und man beschloss, alles parallel zu den Ereignissen niederzuschreiben, um einen Bestseller zu landen und reich zu werden. Wenn man erst einmal reich wäre, könnte man gut sein und nicht die Bodenhaftung verlieren. An frommen Wünschen mangelte es den beiden nicht. Doch es gab mehr als ein Problem bei der Realisierung des künstlerischen Projektes. Die Kommunikation stimmte nicht mehr zwischen beiden. Man grantelte zunehmend bitter miteinander oder verlor sich in philosophischen und auch ganz alltäglichen Haarspaltereien. Früher war das anders. Und dann ist da noch die Buchmesse, die üblicherweise im Herbst stattfindet. Bis dahin musste das Buch fertig sein, wenn man schnell reich werden wollte.

Mittendrin war man gar nicht mehr so überzeugt von der Mission und verfiel auf die Idee: „Es könnt natürlich auch sein, dass mir auf der Flucht sind.“ Bald schon stellte sich heraus, dass die beiden umzingelt waren von ominösen Gestalten, die einem nicht unbekannt vorkamen.  Ein unbekleideter König (Helmut Dauner) reichte Tee, ein Mädchen (Isabel Kott) mit roter Kappe züngelte unzüchtig mit einem Wolf, ein Finger wurde abgeschnitten und das Blut breitete sich tropfend auf der Bühne aus und ein Geschwisterpaar mit Pfefferkuchen rodelten auf einem Skateboard. Alles war sehr ominös und schließlich landeten beiden im Gefängnis. Mit dem Erscheinen des Buches, Charlie und Beppi lasen die letzten Zeilen auf der letzten Seite, erfuhr der Zuschauer eine Auflösung. Oder auch nicht ...

 

Das war allerdings auch völlig unwichtig, denn der Weg war das Ziel, auch wenn man gar nicht wusste, welche Wege man ging. Ankomme hieße, Godot treffen. Auf ihrer Wanderung durch die Geschichten, die Geschichte, auch durch das Heute, und durch das Selbst, parlieren die beiden in schönstem „absurdisch“. Menschlich, allzu menschlich, vereinten die vier Darsteller sowohl im Text, als auch im Spiel einen ganzen Kosmos von Charakteren auf sich und brachten in Zusammenhang, was widersprüchlicher kaum sein kann. Da ist Komik vorprogrammiert. Im Gegensatz zum Übervater des Theaters des Absurden, Samuel Beckett, erlaubte sich die Autorin Maria Peschek gelegentlich auch kabarettistische Floskeln. So musste das Publikum nicht erst durch das „Äußerste“, wodurch laut Beckett Lachen entsteht. Dem Team um M. von Spolinski & Partnern gelang eine wunderbare Synthese aus leichter Komödie und anspruchsvollem Theater des Absurden. Lehrreich war es allemal, wenngleich man kaum sagen kann, was die Moral aus der Geschichte war. Man möge diese Entscheidung getrost dem Bauch überlassen und nicht dem Hirn, über das die Mähr kursiert, es sei der Sitz der Intelligenz.

 
  IngeheimerMission  
 

Maria Peschek, Anette Spola, Helmut Dauner, Isabel Kott

© Hilda Lobinger

 

 

Claudia Karpfingers Bühne und Kostüme entführten an einen Unort, wo alles möglich wurde, Realität, Schein von Realität und auch Märchen. Eine Wand aus Sperrholz, brüchig und zusammengeflickt, war eine geheimnisvolle Fassade. Man konnte durch Spalten und Ritzen lugen und ahnen, was sie verbarg. Dahinter waren Wohnung, Gefängniszelle, fremdes Land mit unerwarteten Geschöpfen. Türen oder Klappen konnten sich öffnen und nie ließ sich berechnen was zum Vorschein kommen würde.

 

Auch das vierte Stück mit den existenzialistischen Clowns Beppi und Charlie aus der Feder von Maria Peschek war ein Erfolg. Das Publikum feierte die Darsteller und die Inszenierung. Zu Recht. Es war eine intelligente, witzige und befreiende Vorstellung. Lachen trainiert eben nicht nur das Zwerchfell, manchmal bläst es auch das Gehirn durch.

 



Wolf Banitzki


 

 


In geheimer Mission

von Maria Peschek

Maria Peschek, Anette Spola, Helmut Dauner, Isabel Kott


Regie: M. von Spolinski & Partner
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