Teamtheater Tankstelle Romance in D von James Sherman



 

Und jederman ist zufrieden und glücklich ...


Das Bühnenbild von Daniela Hohenberger besteht aus zwei aneinandergrenzenden Appartements, identisch - nur spiegelverkehrt konstruiert, "um die Leitungen effizienter verlegen zu können". Auch die Gasleitungen. Links wohnt er, Musikwissenschaftler, rechts haust sie, Schriftstellerin - Lyrikerin, um präzise zu sein. Sie macht sich denn auch gleich an der effizient verlegten Gasleitung zu schaffen, um ihrem "hoffnungslosen" Leben, der Professorengatte für englische Literatur hat sie gerade mit der Assistentin betrogen, ein Ende zu bereiten. Er riecht es, alarmiert die Polizei und avanciert unfreiwillig zum Lebensretter.

Als sie, die jetzt einen Namen bekommt, nämlich Isabel, sich bei ihm, Charles, bedanken will, schauen sie sich tief in die Augen und, wie in einer romantischen Komödie nicht anders zu erwarten, die Balz beginnt. Auf dem noch unverdorbenen Lande könnte daraus kein Theaterstück entstehen, doch man ist in New York, Woody Allen nicht weit und das Leben der beiden Loser gespickt mit raffinierten Arrangements. Isabel wird permanent vom treusorgenden Vater heimgesucht und Charles von der Mutter betuttelt. Dem aufmerksamen Beobachter wird ganz schnell klar, dass die beiden Elternteile sich dauerhaft auch nicht aus dem Weg gehen können. Überraschend in diesem Stück ist allerdings, dass sie eher zur Sache kommen als ihre verkorkste Brut.


Gionanni Arvaneh, Anke Schwiekowski


Über diese Komödie kann man eigentlich vorab nichts verraten, da sie ganz nach den Wünschen und Erwartungen des Zuschauers gebaut ist. James Sherman befriedigt alle diese Wünsche und Bedürfnisse auf intelligente und lebenskluge Weise. Dabei, man höre und staune, kann man sogar lernen, beispielsweise, dass in der menschlichen Genetik höchstwahrscheinlich tonale Strukturen angelegt sind und dass darum alle Kinder dieser Welt übereinstimmend und unabhängig vom Kulturkreis mit aufsteigender Stimme La, La ... usw. singen und dass Leonard Bernstein ein bisschen schwul war. So turteln New Yorker Intellektuelle! Seit "Manhattan" ein komödiantischer Dauerbrenner.

Regisseur Thomas Luft setzte bei seiner Inszenierung auf die Typen der Schauspieler. Dabei zeigt Anke Schwiebkowski das größte Gestaltungsspektrum. Als verlassene, aber immer noch liebende Ehefrau konnte sie sich hemmungslos gehen lassen, schlampig und wenig attraktiv daherkommen, von den unübersehbaren Augenaufschlägen einmal abgesehen. Das Aschenputtel, als das die Zuschauer sie eingangs kennen lernten, verwandelte sich in eine begehrenswerte Frau, als der Ex sie am Heiligen Abend zu einem Essen bittet. Der Glanz war schnell ruiniert, als sich herausstellte, dass es nur um eine mexikanische Schnellscheidung ging. Gionanni Arvaneh gab einen weltabgewandten, hölzernen Wissenschaftler, der unentwegt seine Verachtung für nichtmusikalische Dinge über den Rest des Lebens und der Welt ausgoss. Man hätte sich am Ende allerdings eine fulminantere Wendung zu Glücklichsein gewünscht. Selbst im höchste Glück schien er noch misstrauisch und verbiestert zu sein. Seine Mutter, gespielt von Christa Pillmann, war da wesentlich lockerer und das nicht nur in der Lebensauffassung der Rolle, sondern auch in deren Darstellung. Ein echter Blickfang war die Darstellung des Vaters von Isabel durch Michael Krone. In seiner mehr als robusten Erscheinung ließ er bei seinem Auftritt jeden Raum als zu klein erscheinen. Neben der physischen Präsenz füllte er auch stimmlich jeden Rahmen. Und obgleich er zumeist in jede Szene hineinpolterte, war der sensible Umgang mit der wenig lebensfähigen Tochter anrührend. Er war ein bärischer Typ mit einem riesigen Herzen.

"Romance in D" ist kein Boulevardtheater, obgleich es viele Elemente davon hat. Es ist eine anrührende Geschichte mit unausweichlichem Happy End. Wer Happy Ends mag, wird hier bestens bedient und zugleich noch recht anständig unterhalten. Im Teamtheater findet man die heile Welt wieder, die uns abhanden gekommen ist. Es ist dennoch kein Second Life.


Wolf Banitzki

 

 


Romance in D

von James Sherman

Gionanni Arvaneh, Anke Schwiekowski, Christa Pillmann, Michael Krone

Regie: Thomas Luft
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