Halle 7 Installation Liebe von Claus Peter Seifert / Frank Campoi


 

 

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Zu allen Zeiten vermochte nichts den Menschen so sehr zu bewegen wie die Liebe. Tausende Dramen sind um sie entstanden und unzählbar viele unglücklich Liebende gingen in den Tod ob dieser „Himmelsmacht“. Doch was ist Liebe in „Zeiten von produktiven Erwartungen, sozialen Reduktionen und dieser ungeheuren Benutzbarkeit des Menschen“ (so das Programmheft)? Naturgemäß ist sie nach wie vor Thema, und die experimentelle Gruppenarbeit „Installation Liebe“ ging den aktuellen Erscheinungsformen nach. Sie deckte diese ebenso auf, wie die unveränderte Sehnsucht der Menschen nach ihr und das zunehmende Unvermögen dazu.

Frank Campoi gestaltete den Raum mit einer großen weißen Fläche, die Wand entlang als Laufsteg und davor ein weiches Stofffeld. Das unbeschriebene Blatt. Dann leuchteten an die Wand projiziert die Porträts der fünf Akteurinnen und der zwei Akteure auf. Mitreißende wie leichte Gitarrenklänge erfüllten den Raum, live. Die Schauspieler betraten die Bühne und nahmen vor ihren Bildern Aufstellung. „Ich bin der Mittelpunkt“, begann es. Die Darsteller, deren Kostüme mit durchweg mit kindlichen Symbolen bestickt waren, deklamierten poetische Verse und erarbeiteten kleine Szenen um das Verständnis und Missverständnis von Liebe. Von der Suche nach Liebe war die Rede, davon, was es sein könnte, bis zur Feststellung, dass „Ich liebe dich“ in der Wiederholung zur leeren Phrase wird. Andere Aufnahmen der Akteure erschienen an der Wand: „Der nackte Mensch ist kaum interessant“, doch das tut den Versuchen keinen Abbruch. Man sammelte sich auf- und nebeneinander, versuchte sich in neuen Stellungen und letztlich ließ der Regisseur die Akteure unter das weiße Stofffeld kriechen, sich aufrichten. Einzelne weiße Köpfe und Andeutungen von Körpern waren erkennbar, den Mund geöffnet. Wie „Der Schrei“ von E. Munch entstanden die Bilder der reglosen verlorenen Figuren vor den Zuschauern. Die Inszenierung wirkte, nicht zuletzt durch die aktive Zusammenarbeit aller Mitwirkenden, sehr wirklichkeitsnah und erfasste viele Situationen aus dem so genannten Liebesleben moderner Individuen. Die Präsentation war zeitgemäß und ausgewogen, die Schauspieler lebendig und ausdruckstark. Eine in sich geschlossene und maßvolle Aktion fand auf der Bühne statt.

 
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Lucie Lechner, Micky La Rosée, Alexander Voigt, Annika Weber, Zana Tonkovic

© Hilda Lobinger

 

 

„Installation Liebe oder die Unvereinbarkeit von Technik und Gefühl“ hätte der Titel der Aktion lauten können. Denn menschliche Gefühlshaltung zu funktionalisieren, berechenbar zu machen und Gefühl per se, schließen einander ebenso aus, wie die Erfüllung von psychologischen Leitsätzen und die Erfahrung von Lebendigkeit. Der Angst vor Schmerz, der ein Teil des Lebendigen ist, wird vorgebeugt durch Handeln in Klischees – sicher ist sicher. Tatsächlich, oder ist nicht Verunsicherung ein Motto von Manipulanten? Denn, dann wird Hilfe suchend um sich gegriffen und: Es rauscht ganz gewaltig im Blätterwald und die Artikel und Rat gebenden Bücher sind voll der „Weisheiten“ die zu völliger Verwirrung beitragen.

Die Auseinandersetzung bot für alle Menschen, die der modernen Liebesunfähigkeit begegnen wollen, eine umfassende Zusammenstellung, einen interessanten Abend.

 
C.M.Meier

 

 


Installation Liebe

von Claus Peter Seifert / Frank Campoi

Lucie Lechner, Stefanje Meyer, Micky La Rosée, Zana Tonkovic, Christoph Vogl, Alexander Voigt, Annika Weber
Musik: Zoran Krga, Hadi Alizadeh

Regie: Claus Peter Seifert
Raum, Kostüm, Videoinstallation, Musik: Frank Campoi
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